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Luther - zum Nachdenken

Ja, das natürliche Leben ist ein Stück vom ewigen Leben und ein Anfang, aber es nimmt durch den Tod sein Ende; darum daß es den nicht erkennt und ehrt, von dem ...

WA 10/1 1, 200

Tagungen

Vorschau

Tagung der Luther-Akademie
24. bis 28. Februar 2019
in Sondershausen

Download: Einladung und Programm

Der Mensch im Blick Gottes — Rechtfertigungslehre und Anthropologie in Luthers Auslegung des Magnificat (1521)

»Meine Seele erhebt Gott den Herrn« – »magnificat anima mea Dominum«. So beginnt der Lobgesang der Maria (Lk 1,46-55), dem in der Geschichte der christlichen Frömmigkeit und Theologie eine überragende Bedeutung zukommt – und das nicht nur in der römisch-katholischen Kirche. Luthers Auslegung, die er noch im Jahr 1520 begonnen und zu Beginn seines Wartburgaufenthalts vollendet hat, zeigt eindrucksvoll, dass und wie dieser Text evangelisch verstanden werden kann. Maria ist hier »die beste Auslegung
dessen […], was als Mitte reformatorischer Lehre gilt, des sola gratia und des sola fide, alles allein aus Gnade, alles aufgrund des Glaubens« (so Walter Kardinal Kasper). Die gängigen Formeln, mit denen reformatorische Rechtfertigungslehre gern zusammengefasst wird, gewinnen in Luthers Schriftauslegung ihren Lebens- und Erfahrungsbezug. Gotteserkenntnis ist hier Gotteserfahrung, die Erfahrung des Wirkens Gottes an und in der Tiefe der menschlichen Seele, zugespitzt und verdichtet auf die Erfahrung des von Gott
Angesehenwerdens. Indem Luther den Worten der Maria nachdenkt, geht es nochmals um die schon von Augustin ins Zentrum der Theologie gerückte Doppelfrage: Was ist der
Mensch vor Gott? Und wer ist Gott für den Menschen?
Zugleich bietet der Text Luthers Stellungnahme zu den Konflikten seiner Zeit, nicht nur in der sich aufs Äußerste verschärfenden Auseinandersetzung mit der römischen
Kirche (Verbrennung der Bannandrohungsbulle am 10. Dezember 1520), sondern auch im Verhältnis zu den politischen Mächten. Adressiert ist die Schrift an Johann Friedrich, den späteren sächsischen Kurfürsten (1532-1554), dem das Magnificat als Unterweisung in der Kunst des Regierens ans Herz gelegt wird.