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Luther - zum Nachdenken

Die wahren Demütigen sehen nicht auf die Folge der Demut, sondern mit einfältigem Herzen sehen sie auf die geringen Dinge, gehn gern damit um und ...

WA 7, 562

Publikationen

Luther für heute und morgen durchdacht

Jubiläumstagung der Luther-Akademie Sondershausen - Ratzeburg
3. - 6. Oktober 2007

Bericht von Dr. Rudolf Keller

Im Jahr 1932 wurde in Sondershausen in Thüringen die „Luther-Akademie“ gegründet. Federführend war damals der Göttinger Theologe Professor Carl Stange, der auf dem Hintergrund der Arbeit der Apologetischen Zentrale die große internationale Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen hat.

Nach 75 Jahren fand nun wieder eine Tagung der Luther-Akademie in Sondershausen statt, die sich inzwischen mit ihrer „westdeutschen Schwester“ – der Luther-Akademie Ratzeburg – vereint hat und deshalb beide Orte in ihrem Vereinsnamen trägt.

Professor Dr. Torleiv Austad (Oslo) hielt den Jubiläumsvortrag im „Blauen Saal“ des Sondershausener Schlosses, dem historischen Ort, an dem sich die Gründung vor 75 Jahren ereignet hat.

Die Geschichte der Luther-Akademie kann nicht geschrieben werden, ohne zugleich an die inzwischen beendete Trennung der beiden deutschen Staaten zu denken. Dadurch war bedingt, dass die Arbeit der Luther-Akademie Sondershausen sich in jenen Jahren auf das Gebiet der DDR bezog, während dann ab 1975 in Ratzeburg eine neue eigene Gründung erfolgte, die aus dem theologischen Dialog zwischen deutschen und skandinavischen Lutheranern hervorgegangen ist.

Austad hielt als subtiler Kenner dieser Geschichte, die er in vielen Jahren auch als stellvertretender Präsident mitgestaltet hat, einen beeindruckenden kritisch - würdigenden Vortrag, der das Arbeitsprogramm der 75 Jahre in Ost und West noch einmal lebendig werden ließ.

2007 war satzungsgemäß zugleich ein Jahr der Wahl für den Vorstand der Akademie. In das Amt des Präsidenten wurde Bischof Dr. Hans-Christian Knuth (Schleswig) gewählt, in das Amt seines Stellvertreters Professor Dr. Bo Christian Holm (Aarhus). Der bisherige Präsident Dr. h. c. Friedrich-Otto Scharbau (Preetz) und sein Stellvertreter Professor Austad (Oslo) haben beide nicht wieder kandidiert und wurden mit großem Dank für die geleistete Arbeit vom Vorsitzenden des Kuratoriums, Professor Dr. Oswald Bayer (Hennef), verabschiedet.

Luthers Auslegung des vierten Gebots war zum Thema gemacht worden. Damit stand die ethische Frage im Mittelpunkt, wie man das Altwerden verstehen und mit dem Alter umgehen kann oder soll.

Professor Dr. Christoph Landmesser (Tübingen) stellte die theologischen Grundlagen vor mit seinem Referat „Individualität und Sozialität – Perspektiven biblischer Theologie zur Intergenerationalität“. Er verstand es, die alten Texte in methodisch exakter Exegese transparent für die Fragen von heute zum Klingen zu bringen. So war für die ganze Tagung eine gute Basis geboten.

Professor Dr. Bernd Wannenwetsch (Oxford) beleuchtete die Thematik aus dem Ansatz des Reformators: „Von zarter, feiner, lustiger Obrigkeit – Luthers politisches Verständnis von Familie“. Mit seinen Fragestellungen aus der – nicht nur theologischen – Ethik konnte er aus Luthers Texten Einsichten erheben, die für die gegenwärtige Urteilsbildung hilfreich sind.

Professor Dr. Gunda Schneider (Leipzig) gab mit ihrem Vortrag „Alter – Schicksal oder Gnade? Theologische Überlegungen zum demographischen Wandel und zum Alter(n)“ einen Einblick in ein größeres ethisches Forschungsprojekt und führte vor Augen, was zu diesem Thema in Humanwissenschaften und Theologie geforscht wird und welche Aufgaben für die Theologie in diesem Rahmen gestellt sind.

Das Referat des Religionspädagogen Professor Dr. Edgar Thaidigsmann (Tübingen) „Achtung und Bildung. Aspekte einer religionspädagogischen Theologie“ bildete den Abschluss, indem es das Thema von einer konkreten Teildisziplin der Praktischen Theologie aus ins Visier nahm.

Die Tagung war im Ambiente der Stadt Sondershausen mit sehr geeigneten Räumen bestens arrangiert. Bürgermeister Joachim Kreyer ist auch Mitglied des Kuratoriums und sorgte selbst mit seiner Crew tatkräftig für einen reibungslosen Ablauf und angenehme Arbeitsbedingungen.

Jedes Referat war ein eindrucksvolles Stück theologischer Leistung und deshalb von großem Gewinn für alle, die dabei waren. „Luther für heute und morgen durchdacht“ – das könnte man vielleicht über die ganze Tagung sagen.

Wer dabei war, zweifelt nicht daran, dass es sich gelohnt hat, sich für drei Tage auf eine derart intensive Arbeitsgemeinschaft einzulassen, von der man viel mit nach Hause nehmen konnte.


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