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Luther - zum Nachdenken

Denn wir können Gott für seine Güte und Gnade kein Werk wiedergeben außer das Lob und den Dank. Das geht dann auch von Herzen und braucht nicht viel ...

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Aktuelles

Einige Impressionen von der Herbsttagung 2018 in Ratzeburg...

Laudatio von Frau Dr. Schwinge für den scheidenden Präsidenten Dr. Hans Christian Knuth. Bürgermeister Rainer Voß (links), der neu gewählte Präsident Dr. h.c. Frank Otfried July (hinter Frau Dr. Schwinge), Prof. em. Oswald Bayer, dahinter Prof. Bo Holm und rechts im Bild Dr. Rainer Rausch


Frau Dr. Schwinge hielt folgende Laudatio für den bisherigen Präsidenten Dr. Dr. h.c. Hans Christian Knuth


Lieber Bruder Knuth, liebe Schwestern und Brüder!
Viele und verschiedene Ämter haben Sie im Raum der Kirche bisher innegehabt, Sie sind in diese jeweils, wie üblich, eingeführt worden und, wenn Sie aus diesem oder jenem Grund aus einem Amt ausschieden, sind Sie – wie nicht unbedingt üblich – mit großem Dank verabschiedet worden. Verabschiedet werden Sie nun heute als Präsident der Luther-Akademie. Herr Prof. Bayer hat gerade schon Ihren Einsatz für die Luther-Akademie gewürdigt. Ich betrachte nun Ihre Arbeit für diese noch einmal im Horizont Ihres gesamten kirchlichen und theologischen Wirkens betrachten.
Präsident der Luther-Akademie Sondershausen- Ratzeburg zu sein, das konnte Sie, den Lutherkenner und Lutherliebhaber, dazu den Schüler Ebelings, des ehemaligen theologischen Leiters dieser Akademie, ja nur erfreuen. Zudem: In dieser Funktion konnten Sie in enger Verbindung mit Ihnen, Herr Bayer, dem wissenschaftlichen Leiter der Akademie, nicht zuletzt durch die jährlichen Tagungen, darauf hinwirken, daß die Reflexion und Rezeption der lutherischen Theologie in ihrer Bedeutung für Vergangenheit und Gegenwart, insbesondere für das Leben der Kirche, lebendig bleibt.
Daß Theologie und kirchliche Praxis eng aufeinander bezogen sind und bleiben – das war Ihnen schon immer ganz wichtig. So schreiben Sie bereits im Vorwort Ihrer im Beck-Verlag gedruckten Dissertation zur Auslegungsgeschichte von Psalm 6: Durch das intensive Theologietreiben, wie Sie es vor allem bei Ebeling kennengelernt hätten, sei Ihnen eine Freiheit eröffnet worden, »die sich nicht nur vor, sondern auch gegenüber den totalen Forderungen der Praxis bewährt.« Das Luthererbe, die auf Christus und damit auf die menschliche Existenz bezogene Theologie, haben Sie, so sagten Sie mir neulich im Gespräch, mit in die Kirche hineingenommen, zunächst als nordelbischer Gemeindepastor, dann, schon nach fünf Jahren, als Referent der Kirchenleitung und danach als Studienleiter im Predigerseminar. Dort im Predigerseminar begegnete ich Ihnen im Jahr 1979 als Vikarin zum ersten Mal. Damals boomte in Nordelbien die Pastoralpsychologie; die Beschäftigung mit grundsätzlichen theologischen Fragen war in der pastoralen Ausbildung nicht sehr gefragt. Für mich waren Sie damals im Predigerseminar ein Lichtblick, konnten wir beide uns doch – auch im Protest gegen den kirchlichen Mainstream – über die Relevanz theologischen Fragens und Nachdenkens austauschen.
Kein Wunder, daß Sie schon nach kurzer Zeit, als Oberkirchenrat in das Referat der VELKD für theologische Grundsatzfragen berufen wurden. Nach vier Jahren dort kamen Sie wieder zurück in nordelbische Gefilde, zunächst als Propst des Kirchenkreises Eckernförde und dann ab 1991 als Bischof des Sprengels Schleswig. Ich war gerade zu dieser Zeit, so wie Sie einmal, Referentin der Kirchenleitung geworden, und zu meinen ersten Aufgaben gehörte die Vorbereitung Ihrer Bischofseinführung.
In Kirchenleitungssitzungen, Bischofsgesprächen, Gremiensitzungen gab es reichlich Kommunikation zwischen uns. Beständig legten Sie Wert darauf, daß bei dieser oder jener wichtigen Diskussion die Verbindung von theologischer Grundlagenreflexion und Praxisorientierung nicht zu kurz kam. Und wenn es gar zu alltäglich praktisch wurde …, dann schalteten Sie durchaus auch mal ab. Bei Ihren Predigten konnte man immer gespannt auf den Lutherbezug warten.
In Ihrer Zeit als Bischof nahmen Sie über Nordelbien hinaus wichtige Ämter in der VELKD und in der EKD wahr. Sie waren Catholica-Beauftragter der VELKD, danach von 1999 -2005 Leitender Bischof der VELKD. Nicht übernahmen Sie diese Ämter, weil Sie so gremienbesessen waren, vielmehr: Alles lag Ihnen daran, an der dauerhaften Verbindung von der Institution Kirche und Theologie, und dabei immer auch an dem ökumenischen Gespräch mitzuwirken. Im Theologischen Ausschuß der VELKD saßen wir einige Jahre zusammen. Dort bereiteten wir die Studie ›Taditionsaufbruch. Die Bedeutung der Pflege christlicher Institutionen für Gewißheit, Freiheit und Orientierung in der pluralen Gesellschaft‹ vor, die dann von Ihnen als leitendem Bischof im Herbst 2000 herausgegeben wurde. Ebenso arbeiteten wir auch einige Jahre in der Kammer für Theologie der EKD zusammen, besonders am Freiheitsthema, das dann von einer Arbeitsgruppe, zu der auch Sie gehörten, weiter bearbeitet wurde und schließlich 2001 mit dem Titel ›Von der Freiheit. Besinnung auf einen Grundbegriff des Christentums‹ von Ihnen herausgegeben wurde. Über eine Reihe von Jahren gehörten Sie auch zum Herausgeberkreis der Zeitschrift für Theologie und Kirche.
Von 2004 an bis zum Eintritt in den Ruhestand im Herbst 2008 waren Sie außerdem noch Vorsitzender der nordelbischen Kirchenleitung. Diese Jahre waren geprägt von kirchlichem finanziellem Notstand, von den dadurch veranlaßten notwendig erscheinenden Veränderungen der Strukturen wie durch Fusionen von Gemeinden, Kirchenkreisen und Landeskirchen. Die Sitzungen mit all den Diskussionen und Auseinandersetzungen, auch mit den Aporien, vor denen wir standen, waren überaus anstrengend und kräftezehrend.
Vielleicht war es gerade in dieser Zeit für Sie besonders erfreulich, daß Sie sich als Präsident der Luther-Akademie, zusammen mit Ihnen, Herr Bayer, Ihnen, Herr Rausch, den Mitgliedern von Vorstand und Kuratorium auf Luther und die Lutherrezeption konzentrieren konnten. Bereichernd war für Sie in diesem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit mit den skandinavischen Theologen.
Aus den jährlichen Tagungen mit den Vorträgen, den Andachten, den Gottesdiensten, den intensiven Gesprächen und Diskussionen haben Sie, so sagten Sie mir, wesentliche Impulse für Ihre eigene Existenz erhalten. Ich habe bei meiner Vorbereitung auf diese Laudatio auch noch einmal die Dokumentationsbände der jährlichen Tagungen durchgesehen. Und dabei bin ich natürlich auch auf Beiträge von Ihnen gestoßen, zum Beispiel auf den Vortrag im Tagungsband 9 zum Freiheitsthema.
Ausdruck der Wertschätzung Ihres vielfältigen Einsatzes als Theologe im Raum der Kirche war dann schließlich im Jahr 2010 die Verleihung des Ehrendoktortitels durch die Kieler Theologische Fakultät.
Abschließend möchte ich noch etwas nennen, was für Sie und damit auch für Ihre Arbeit als Präsident kennzeichnend ist: Ihre Freundlichkeit und Ihre Zugewandtheit.
Das, was Sie ausmacht, gründet in Ihrer Liebe und Ihrer Leidenschaft für das Evangelium – das verbindet Sie mit Luther. Wir danken Ihnen sehr für alles, was Sie im Dienst der Luther-Akademie getan und bewirkt haben. Sie werden gewiß weiterhin Anteil nehmen an dem, was in der Luther-Akademie geschieht und, soweit es Ihnen möglich ist, auch an Tagungen teilnehmen. Möge in der Beschäftigung mit Luther und seinem Erbe Ihnen immer aufs Neue Staunenswertes, Belebendes, Erquickendes und Tröstendes aufgehen.
Gottes gutes Geleit für Sie!

Weitere Informationen finden Sie unter unseren Tagungsberichten.