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Luther - zum Nachdenken

Zum andern ist außer dem Gebot noch, wie oben gehört, eine Verheißung, die uns aufs allerstärkste reizen und treiben soll. Denn da stehen ...

WA 30/1, 230

Publikationen

Luther - zum Mitreden und Nachdenken (WA 17/1)


Wenn Christus mein Bruder ist, dann wollt ich gerne wissen, was uns fehlen sollte. Brüder haben gemeinsamen Besitz, einen Vater und ein Erbe, sonst wärens keine Brüder. Und dies Erbe wird durch Teilung nicht geringer, sondern größer, weil es ein geistlich Erbe ist. Das leibliche Erbe verringert sich. Wer aber vom geistlichen einen Teil erhält, der erhält es ganz.
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WA 17/1, 92 f.


Es ist nicht genug, die Geschichte der Auferstehung zu erzählen, sondern man muß auf die Frucht der Auferstehung kommen. Ich soll nicht nur wissen, daß Christus auferstanden ist, sondern daß das meine Auferstehung ist, wie schon zu Maria gesagt war: sag es meinen Brüdern!
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WA 17/1, 96


Das Wort kann wohl ohne die Kirche sein, aber die Kirche nicht ohne das Wort. Durchs Wort wird die Kirche gezeugt. Also mußt du sagen, daß die Kirche geringer ist als das Wort.
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WA 17/1, 99


Setzen und lehren kann die Kirche nicht, aber lehren, was von Gott gesetzt und geordnet ist. Durchs Wort entsteht die Kirche, und wenn sie entstanden ist, so predigt sie auch andern. Die Kirche ist der Ton, der durchs Wort gebildet wird.
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WA 17/1, 99 f.


Das sei eine Vorrede dieses Evangeliums, damit wir die große Gottesgnade wissen, daß er unser Bruder geworden ist. 0 daß die unaussprechliche Ehre erkannt würde, daß wir stinkenden Säcke und Würmer rühmen können, Gott sei unser Bruder! Diese Worte sind so hoch erhaben wie Gott selbst und können nicht erkannt werden.
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WA 17/1, 150


Heute feiern wir die Ankunft Christi, des Sohnes Gottes, ins Fleisch. Und ist billig, daß wir jedes Jahr feiern und danksagen, daß es geschehen ist. Zwar ist dies Evangelium bekannt genug, aber man kann nicht genug daran denken, daß die göttliche Majestät sich heruntergibt in eines Weibes Schoß.
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WA 17/1, 150


Dennoch soll man die Werke der Heiligen nicht ganz in den Wind schlagen, als wären sie nichts. Sonst kommt man in falsche Sicherheit. Wohl ist's wahr, daß wir im Reich der Gnade sind und daß Gott durch die Finger sieht, wenn wir nicht stark im Glauben und in der Liebe sind. Aber doch will er beides haben, daß wir sollen reich sein an Übung des Glaubens und des Worts und dann auch an der Liebe gegen den Nächsten.
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WA 17/1, 287 f.


Wir wären wohl gern ohne Sünd, aber es will nicht sein und müssen sprechen: es wird nichts draus, der alt Esel will sein Recht auch haben; bis er begraben wird. Christi Reich ist ein sündlich Reich, ich hab noch keinen Heiligen gefunden, der nicht spricht: ich elender Mensch! Sie sagen alle: vergib uns unsre Schulden, wie wir vergeben unsern Schuldigem!
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WA 17/1, 297 f.


Wenn wir nicht zugeben, daß wir alles aus lauter Gnade haben, dann sind wir Gott und Gott ist der Knecht; denn dann haben wir das Beste getan. So wird seine Ehre zu Boden getreten und er soll nicht Gott sein. Drum läßt er in der Schrift bezeugen, daß er Herr sei und alles aus Barmherzigkeit gebe. Wer's glaubt, der glaub's.
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WA 17/1, 305


So bin ich getrennt von der Welt und dennoch in der Welt. Ein Christ ist der allerweltlichste Mensch und hat dennoch nichts mit ihr zu schaffen. Welt und Teufel sehen auf ihn, die Welt hat viel mit ihm zu schaffen. Er aber läßt gehen, was da geht (und denkt:)·Herr, in deinem Dienst steh ich! An allen Tagen, d.h. ewiglich.
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WA 17/1, 308 f.


So ist denn ein Christenmensch heilig nicht aus sich, sondern aus Erbarmen. Es wäre besser, daß ein Christenmensch zehn Ehebrüche beginge, als wenn er sich nicht wollt für einen solchen Heiligen halten. Denn da würd er die Gnade Christi verleugnen und das göttliche Erbarmen lästern.
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WA 17/1, 314


Johannes hat Taufe und Predigt angefangen, und da er aufhörte, im gleichen Jahr, fing Christus an. Christus ist Gnade, Geschenk, Horn des Heils.
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WA 17/1, 315


Heute fromm, morgen ein Schalk und umgekehrt. Ich vertraue soviel auf ihn, als der Herr ihm Gnade gibt. Ist der Herr mit ihm, so wird er sein Amt treulich ausrichten, sonst nicht. Das ist ein verdrießlich Ding, drum hab ich oft gesagt: wenn ich gewußt hätte, daß sie das Evangelium so sehr mißbrauchen würden, so hätt ichs schwerlich vorangetrieben. Sie machen sich an unsern Gottheran und suchen doch nichts andres dabei als nur ihr Stolzieren. Aber das Sprichwort soll wahr bleiben: soll Christus gemartert werden, so muß er einen Verräter haben.
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WA 17/1, 348


Niemand kann dem Evangelium solchen Schaden tun als die, die sich evangelisch rühmen, die predigen und meinen, das Evangelium sei auf sie gegründet. Christus will, daß wir das Evangelium predigen und dennoch damit rechnen sollen, daß die, die es fassen und treiben, am meisten Schaden tun. Ich muß die Predigt des Evangeliums andern übertragen und kann dennoch nicht sicher sein, daß sie es nicht verderben. Das hat hier Christus gelehrt, indem er Judas ebensoviel übertrug als den andern Jüngern und dennoch wußte, daß er ein Verräter sein werde.
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WA 17/1, 348


Wir sollen wissen, daß es das Wesen des Evangeliums ist, daß es nicht auf Menschen gebaut ist: es wird dennoch bestehen, auch wenn alle ihm entgegen sind. Gott läßt die besten Leute fallen, damit man sehen soll, daß er allein der Mann ist, der es schützen kann. Wir denken wohl, wir seien seine Schutzwehr, aber wir sinds nicht eine Stunde.
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WA 17/1, 349


Wenn du daher etwas in einem Evangelisten liest, dann suche nicht darnach, ob er irrt, sondern siehe die Hauptsache an. Darin stimmen sie überein, daß sie die Passion Christi beschreiben und daß Christus genug getan hat. Daran liegt das meiste. Leichtfertige Leute bekümmern sich um nichtige Fragen und lassen die Hauptsache liegen. Und ists täglich darum zu tun, daß wir die Hauptsache, Christus lernen.
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WA 17/1, 352


Ich wollte, die Gebeine aller Heiligen und Christi lägen unter der Erde, wie Gott mit Mose getan. Alsbald haben die falschen Lehrer gelehrt, man solle die Heiligen ehren. In Gold und Silber fassen hätte man sie ja dürfen, aber daß man ihr Verdienst gelehrt hat, das ist der Teufel selber. Der Teufel hat allezeit überall Gelegenheit gesucht, uns vom rechten Wege abzuführen. Die Evangelisten aber kümmern sich nicht viel darum, wo und wann etwas geschehen ist, sondern sprechen: das ist geschehen, daß die Schrift erfüllt würde. Dahin sind all ihre Augen gerichtet; denn das war voraus verkündigt, daß Christus kommen werde, um zu leiden.
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WA 17/1, 352 f. (B/147)


Es ist darum nicht not, daß du nach Jerusalem läufst, wo man die Fußstapfen (Jesu), das Römertor, einen Teil des Grabes gesehen hat. Mehr soll man das ansehen, was die Evangelisten mit den allerkürzesten Worten ausgesprochen haben. Das rechte Hauptstück geht in deinem eigenen Hause vor sich. Was nützt es mich, wenn ich auch einmal das Haus des Pilatus oder den Fußstapfen gesehen habe, wo Christus gefallen ist? Wie viel wichtiger ist, wie sich Christus zu dir stellt?!
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WA 17/1, 353


Zu unsrer Zeit ist das Wort aufgangen. Was ist die Ehre, die ihm gegeben wird? Man stößts hinaus, man will ihm keinen Raum lassen. Warum? Weils Christi Wort ist. Weder Augen noch Ohren der Menschen können ihn ertragen, schweig daß das Herz ihn ertrüge. Aristoteles' Lehre ist zugelassen, Gottes Wort aber weist man hinten in die Krippe. Alle Bücher, wie unflätig sie sind, liest man und hört man mit großem Vergnügen, das Evangelium aber hat keinen Raum außer den Stall fürs Vieh.
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WA 17/1, 496


Darum ist auch niemand vor ihm auferstanden, dem Erstling unter denen, die da schlafen (1. Kor. 15, 20). So werden auch wir auferstehen, aber erst werden wir sterben. Die Gräber waren zwar offen, aber hervorgegangen ist niemand vor dem Auferstehungstag Christi. Es erhebt sich dabei eine Frage: diese Erscheinung ist gewiß geschehen, weil es im Evangelium geschrieben ist. Es waren nicht nur Gesichte. Aber wo die Toten hingekommen sind, weiß Gott. Es ist dem Glauben gemäß, daß sie am Leben geblieben sind.
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WA 17/1, 78