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Die
Luther-Akademie Sondershausen-Ratzeburg
Der Weg in die Gemeinsamkeit
Als am 8. Oktober 2003 die erste Mitgliederversammlung des Vereins Luther-Akademie
Sondershausen-Ratzeburg e. V. stattfand, kam damit ein mehrjähriger
Prozess der Zusammenführung der beiden bis dahin selbständigen Luther-Akademien
Sondershausen und Ratzeburg zum Abschluss. Im Jahr zuvor hatten beide Vereine
auf der Grundlage eines Satzungsentwurfs die Zusammenführung beschlossen.
Dafür wurde die Rechtsfigur der Verschmelzung zur Aufnahme nach dem Umwandlungsgesetz
zur Anwendung gebracht: Keiner der beiden Vereine musste sich auflösen
und es entstand auch kein neuer Verein; vielmehr wurde der Verein Luther-Akademie
Sondershausen e. V. durch Vertrag auf den Verein Luther-Akademie
e. V. Ratzeburg aufgeschmolzen, so dass die Mitglieder des Sondershäuser
Vereins in ihrer Gesamtheit Mitglieder des Ratzeburger Vereins wurden; dieser
änderte seinen Namen in „Luther-Akademie Sondershausen-Ratzeburg
e. V.“.
Beide
Einrichtungen blicken auf eine lange Geschichte zurück: 1932 wurde durch
Carl Stange, Prof. für Systematische Theologie in Göttingen,
die Luther-Akademie Sondershausen ins Leben gerufen; sie war in der apologetischen
Arbeit der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verwurzelt.
Die Luther-Akademie Ratzeburg wurde 1975 in Fortführung der deutsch-skandinavischen
Theologentagungen, die mit der „Kirchlichen Sammlung um Bibel
und Bekenntnis“ verbunden waren, vom damaligen Landessuperintendenten
für Lauenburg (mit Sitz in Ratzeburg) und späteren Landesbischof
der Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe, Prof. Joachim Heubach,
gegründet.
Die Zusammenführung beider Einrichtungen wurde dadurch erleichtert,
dass sie bei aller Verschiedenheit im einzelnen durchaus vergleichbar waren
in den Zielen und der Ausrichtung der Arbeit: Teilnahme an der Erforschung
der lutherischen Reformation sowie deren Vergegenwärtigung
in der Verkündigung und in der Diskussion kirchlicher
und gesellschaftlicher Themen, Pflege einer gemeinschaftlichen
Spiritualität in Aufnahme der lutherischen gottesdienstlichen
Tradition, Verbindung zu Amtsträgern und Gelehrten nordischer
Kirchen und Fakultäten und die Verpflichtung auf die
Ökumene. Im Unterschied zu Ratzeburg suchte Sondershausen stärker
das interdisziplinäre Gespräch, während Ratzeburg durch seine
Frühjahrstagungen für Studierende, Vikarinnen und Vikare sowie Pfarrerinnen
und Pfarrer in den ersten Amtsjahren ein eigenes Profil entwickelte.
Beide
Akademien haben sehr früh die Verbindung zueinander gesucht, was in den
Jahren der deutsch-deutschen Grenze nicht immer leicht war, aber u. a. durch
die grenznahe Lage Ratzeburgs erleichtert wurde. Als 1989 die Grenze fiel,
tauchte sehr schnell auch die Frage der Zusammenführung beider Akademien
auf. Das hatte arbeitsökonomische und finanzielle Gründe, vor allem
aber setzte sich früh auch die Erkenntnis durch, dass die kirchliche
Öffentlichkeit auf die Dauer zwei selbständige Akademien mit eigenem
Veranstaltungsprogramm und eigenen finanziellen Erfordernissen kaum würde
tragen können und wollen.
Zunächst
wurde eine förmliche Kooperation vereinbart, zu der auch eine finanzielle
Unterstützung der Sondershäuser Akademie durch einen Solidaritätszuschlag
gehörte, den die Mitglieder des Ratzeburger Vereins zusätzlich zu
ihrem Mitgliedsbeitrag entrichteten. Auch gab es im Jahr 2000 unter dem Thema
„Schöpfungsglaube –
von der Bioethik herausgefordert“
(Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg, Bd. 32) eine gemeinsame
Tagung in Eisenach .
Im selben Jahr hatte zuvor schon eine Fachtagung unter dem Titel „Der
andere Aufbruch. Die Aktualität der Theologie Luthers“
in Neuendettelsau stattgefunden, auf der Voraussetzungen und Grunddaten für
eine gemeinsame Zukunft beider Akademien reflektiert wurden und von der starke
Impulse für ihre Verschmelzung ausgingen; erste Konturen einer gemeinsamen
Satzung wurden erkennbar.
Diese Tagung ist unter dem Titel „Aufbruch und Orientierung“
dokumentiert in den Veröffentlichungen der Luther-Akademie Ratzeburg,
Bd. 31.
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