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Tagung der Luther-Akademie
Sondershausen-Ratzeburg
Gnade - sonst nichts?
Liegt wirklich alles allein an Gottes Gnade, wenn es um die Existenz des Menschen vor Gott geht oder wenn einer, um es umgangssprachlich zu sagen, mit Gott im Reinen sein will?
Kann, ja, muss er selbst nicht auch etwas dazu beitragen, womit er sich vor Gott „sehen lassen“ kann? Anders gefragt: Ist es mit einem gesunden Selbstwertgefühl des Menschen vereinbar, dass es ihm verwehrt sein soll, vor Gott auf sich zu verweisen und stattdessen dem »hochheiligen Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes« zu vertrauen, wie Martin Luther es 1517 in den 95 Thesen formuliert hat? Damals ging es um die Ablasspraxis der Kirche.
Diese ist für evangelische Christen heute kein Thema mehr. Aber dass an der Gnade Gottes alles liegen soll und gar nichts an uns selbst – diese Frage ist geblieben und findet vielfältige Antwort. Das macht die Aktualität von Luthers Thesen aus.
Markieren die Thesen den Anfang der Reformation? Bedeuten sie schon deren Durchbruch? Oder liegen sie theologiegeschichtlich noch vor ihr? Sie haben die Kirche und ihre Lehre verändert – haben sie auch den Glauben verändert?
Im Ablassstreit, wie er sich insbesondere in Luthers Auseinandersetzung mit dem römisch-katholischen Theologen Jacobus Latomus niedergeschlagen hat, gewinnt die Unterscheidung und Zuordnung der Begriffe „favor Dei“, „gratia Christi“ und „fides Christi“ entscheidende Bedeutung. Daraus ergeben sich Konsequenzen für ein neues Selbstverständnis des Menschen.
Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017, das bewusst an die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers 500 Jahre zuvor anknüpft, will die Luther-Akademie Sondershausen-Ratzeburg anlässlich ihrer Herbsttagung verdeutlichen, was in der Auseinandersetzung über den Ablass zentral zur Disposition stand, und dabei sowohl die historischen Fragen wie auch die theologischen und schließlich die existentiellen Fragen aufnehmen, die sich an Luthers Ansatz festmachen: Ist die Gnade schon alles – oder gleicht sie am Ende nur aus, was ich selbst nicht schaffe?
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